Nein zur Äusseren Nordumfahrung (Autobahn Wettingen-Winterthur), Votum im Kantonsrat vom 15.09.2003   [ drucken ]
     
von Kantonsrat Ruedi Lais, SP, Wallisellen    



   

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen

Uns graut vor der Vorstellung, dass der Kanton Zürich je so von Autobahnen durchschnitten sein wird, wie es die KPB in ihrer mehrheitlichen Vorstellung wünscht. Die Realisierung all ihrer Strassenbauträume, würde nicht nur die unglaubliche Summe von 17 Milliarden Franken verschlingen. Verschlungen würden auch zahllose Naherholungsgebiete und heute noch ruhige Wohnlagen.

Für die SP ist Verkehrspolitik mehr als die Befriedigung aller Bedürfnisse der Tiefbau- und Autolobby.. Die Strassenplanung hat sich nach übergeordneten Zielen zu richten und muss mit allen anderen staatlichen Tätigkeiten koordiniert sein. Bisher hat der Kanton Zürich den Auftrag des Bundes, eine Gesamtverkehrskonzeption und eine neue Verkehrsrichtplanung vorzulegen, trotz abgelaufenen Fristen nicht erfüllt. Wir sollten diesen Auftrag endlich ernst nehmen, statt einfach das Los Angeles der 60er-Jahre nachzubauen.

Die Verfechter der Äusseren Nordumfahrung (der ÄNUZ) verkennen elementare Daten und Zusammenhänge:

Das Autobahnnetz im Grossraum Zürich dient längst nicht mehr dazu, Fernverkehr von der Agglomeration fernzuhalten. Der grösste Teil der Verkehrsströme ist Innerorts-Verkehr im Millionen-Zürich.
Mit dem gleichen Autobahnnetz und seinem Ausbau in ländliche Räume wird Millionen-Zürich weiter ausgedehnt und damit der Innerorts-Anteil grösser. Mit dem Ausbau der A4 wird sich Zürich bis zum Zugersee und bis an die deutsche Grenze ausdehnen.
Neue Autobahnen vergrössern nach kurzer Zeit den Innerortsverkehr der angeblich entlasteten Ortschaften. Fragen Sie mal die Einwohner von Hegnau, Bachenbülach oder Effretikon, ob die Hauptstrassen durch ihre Dorfzentren jetzt ruhiger sind als vor dem Autobahnbau.

Eine wirksame Verkehrsberuhigung für die Wohngebiete und Dorfzentren ist nur möglich durch ein ganz anderes Vorgehen:

Bevorzugung des Zu-Fuss-Gehens und des Veloverkehrs
Menschenfreundliche Gestaltung der Siedlungen
Konsequente Förderung des Öffentlichen Verkehrs

Das gilt auch für das Zürcher Unterland und gegenüber der heutigen verheerenden Strassenbauidee der vereinigten Autoparteien. Es ist gewiss kein Zufall, dass die teuerste Wohngegend des Kantons, die Goldküste, als einzige noch nicht von einer Autobahn erschlossen wird ! Würde die KPB eine solche fordern, gäbe es umgehend einen Verein Autobahnschneise Süd Nein !

In seinem Bericht legt der Regierungsrat schonungslos dar, warum die ÄNUZ nutzlos ist. Der Verkehr kann auf den bestehenden Achsen über 25-30 Jahre um total 10-20% vermindert werden.Wenn die Agglomeration so weiter ins Grüne wächst, wie sich das die Baulandverkäufer erhoffen, nimmt der Binnenverkehr um über 4% pro Jahr zu. Die Wirkung der ÄNUZ verpufft also innert Kürze. Die wohlformulierten Überlegungen des Regierungsrates zu den schädlichen Wirkungen auf Siedlung, Landschaft und Umweltqualität hätten wir gerne auch im Zusammenhang mit anderen neuen Autobahnplänen gelesen. Der Bund dürfte der ÄNUZ nie zustimmen, denn sie verletzt die Grundideen unserer Richtplanung, wozu auch die zeitliche Beschränkung auf 25-30 Jahre gehört.

Die SP stimmt dem Ergänzungsbericht des Regierungsrates zu und lehnt die abweichende Stellungnahme der KPB-Mehrheit ab.

Ruedi Lais, 15.09.2003




   
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